Die Gesamtanlage

Der Gebäudekomplex


Die 1710 zurückgewonnene Reichsunmittelbarkeit und das damit gesteigerte Repräsentationsbedürfnis fanden in der an Größe und Weite einzigartigen Anlage, die geschickt ein Kloster mit einer Residenz verbindet, ihren sichtbarsten Niederschlag. Das Ergebnis ist überwältigend: Die Längsachse von Süd nach Nord beträgt 480 m, die Breitenachse von Ost nach West 430 m. Betrachtet man diesen wahrhaft ,,Schwäbischen Escorial" aus der Vogelperspektive, so erkennt man mühelos, dass das Ganze ein ausgeprägtes Kreuz bildet, das (einschließlich des rätselhaften Achsenknickes der Kirche) formal wie proportional mit dem 1714 wiederentdeckten Gnadenkreuz inmitten der Basilika übereinstimmt.

Das geneigte Haupt des Heilandes verkörpert im Norden eindeutig die Kirche, die zum Symbol für Jesus Christus selbst wird. Den Körper, genau in eine geistliche und weltliche Hälfte geschieden, bildet das 137,20 x 120,40 m große Geviert um den Achsenschnittpunkt, wobei die Mönche dem ora (= Gebet), der kontemplativen Linken, die Verwaltung, Gäste und Schüler aber dem labora ( = Arbeit), der aktiven Rechten zugeordnet werden, der auch das Beamtenhaus im Westen als vollziehendes Regierungsorgan zugerechnet wird (das Gegenstück im Osten, ein Gartenpavillon, war zwar vorgesehen, wurde aber nicht mehr gebaut). Das Herz des Ganzen stellt in der Mitte des Gevierts die Residenz des Reichsabtes dar, in dessen Person die geistliche wie weltliche Macht bis 1802 vereinigt war. Die Ökonomiegebäude im Süden schließlich bilden die Füße als wirtschaftliche Basis.

Graphik aus:
Benediktinerabtei Ottobeuren; P. Rupert Prusinovsky OSB, 6. Auflage 2008

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